24.11.2004 | Wiesbadener Kurier | Autor: Gerd Klee

Ein Medium im Wandel der Zeit

Ausstellung "20:15" zu 70 Jahren Fernsehen in Deutschland / Kooperation Wiesbaden-Mainz

Am Anfang ging man noch in Fernseh-Stuben, um dort in den Kasten mit den bewegten Bildern zu schauen; später saß die Familie in trauter Runde gemeinsam vor dem TV-Gerät; heute schaut jeder am liebsten alleine in die Röhre mit seinem Spartenprogramm. Am 22. März 2005 jährt sich zum siebzigsten Mal der Tag, an dem der erste deutsche Fernsehsender eröffnet wurde. Aus diesem Anlass zeigen die Fachhochschulen Wiesbaden und Mainz in Zusammenarbeit mit dem Wiesbadener Kulturamt und dem Verein Museum für Deutsche Fernsehgeschichte vom 11. Februar bis 18. März 2005 in der Veranstaltungshalle der FH Wiesbaden (Unter den Eichen) die Ausstellung "20:15 - 70 Jahre Fernsehen in Deutschland".

Die Vorbereitungen unter der Federführung der Professoren Dieter Fröbisch (Wiesbaden) und Harald Pulch (Mainz) sind auf der Zielgerade. Das Konzept sieht einen chronologischen Gang durch die Geschichte des Mediums Fernsehen in Deutschland vor, aufgeteilt in Dekaden von den 30ern ("Die Geburt eines neuen Mediums") bis in die 90er und danach ("Vom Vollprogramm zum Spartenfernsehen"). Den Ausstellungsmachern geht es nicht um eine lückenlose Dokumentation, sie wollen Fernsehvergangenheit aufleben lassen und die Besucher emotional fesseln. Die können sich in der Ausstellung ihren Interessensschwerpunkt selbst aussuchen, im Angebot sind jeweils Technik, Programm und Rezeption. Dazu werden verschiedene Informations- und Erlebnisebenen angeboten. Vielleicht auch ein Katalog, wenn der sich finanzieren lässt. Bisher rechnet man mit 65000 Euro Kosten für die Präsentation, wozu die Stadt 30000, das Medienzentrum 10000, die Fachhochschulen je 5000 beitragen.

Die Suche nach Kooperationspartnern ist voll im Gange, zwei weitere konnten schon gefunden werden: Die Programmkinos in Mainz und Wiesbaden werden den Trailer zeigen, der auf die Ausstellung "20:15" hinweist und an dem derzeit noch gearbeitet wird. Die Fernsehanstalten in der Umgebung zeigen sich an dem Projekt nicht übermäßig interessiert - um es vorsichtig auszudrücken. Zwar gibt es Unterstützung bei der Sichtung von Archivmaterial - beim Südwestrundfunk funktioniert das zum Beispiel -, aber sowohl für den Hessischen Rundfunk als auch für das Zweite Deutsche Fernsehen gilt: "Die Kooperation ist nicht so gut wie erhofft." Wenn Fröbisch und Pulch dies so ausdrücken, merkt man, dass ihnen vor allem die Höflichkeit das Wort führt. Gute Erfahrungen haben sie dagegen mit dem Deutschen Rundfunkarchiv gemacht, gleich vor der Haustür der Fachhochschule in Wiesbaden und auch in Babelsberg, wo eine Studentengruppe vier Tage lang nicht nur interessantes Material sichten, sondern auch die Unterstützung der dortigen Mitarbeiter genießen konnte.

Allenthalben Lob für die Zusammenarbeit aller an der Ausstellung Beteiligten: Der Präsident der Wiesbadener Fachhochschule, Professor Clemens Klockner, hebt die erneute Kooperation mit Kulturdezernat und -amt hervor, spricht von der notwendigen Vernetzung der Fachhochschulen Wiesbaden und Mainz, erinnert an die Geschichte der Geländes Unter den Eichen; Kulturdezernentin Rita Thies sieht in der geplanten Ausstellung eine konsequente Fortsetzung ihres Projekts eines Fernsehmuseums in Wiesbaden, das allerdings derzeit auf Eis liegt, und dankt dem Medienzentrum und dem Verein Museum für Deutsche Fernsehgeschichte, der allerlei aus seiner Sammlung zur Ausstellung beitragen wird; Fröbisch ist stolz darauf, dass alle auf dem Campus vertretenen Disziplinen mit an Bord sind, Pulch, dass das Projekt mit der rekordverdächtigen Zahl von über 80 Studenten gestemmt wird. Und weil alle sich auf die Ausstellung freuen, stülpt Präsident Klockner das Portemonnaie der Wiesbadener FH noch einmal um - und heraus kommen weitere 5000 Euro für "20:15". Ob der Beifall der bei der Präsentation des Ausstellungsprojekts Anwesenden in Frankfurt und in Mainz gehört wurde, ist bisher nicht bekannt.

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