04.03.2005 | Wiesbadener Tagblatt | Autor: Marianne Kreikenbom

Eine Herausforderung bis an die Grenzen

Erfolgsgeschichte Fernsehen: Innenarchitekten in Aktion

Am 22. März feiert das Fernsehen in Deutschland seinen 70. Geburtstag. Dem Ereignis ist die gegenwärtige Ausstellung "20:15" gewidmet. Studenten und Dozenten der Fachhochschulen Wiesbaden und Mainz haben sie ermöglicht. Ihr Unternehmen dokumentiert nicht nur die Erfolgsgeschichte Fernsehen, sondern auch die eigene.


Der gute Ruf als eingeschworenes und unschlagbares Team eilt Karsten Dors, Jan Kaiser, Benjamin Pächthold und Nora Johanna Gromer bei Kommilitonen und Dozenten der Wiesbadener Fachhochschule voraus. Kein Wunder, dass die große Stunde für die vier vom Studiengang Innenarchitektur eines Tages auch bei der Fernsehausstellung "20:15" schlug. "Die Kommunikationsdesigner forderten uns an." Ihr kollektives Erfolgsrezept klingt eigentlich ganz einfach: "Wir kennen uns schon lange, haben viel zusammen gearbeitet und wissen, dass es hundertprozentig funktioniert." Eine sachbezogene und sympathische Truppe, auf deren Ideenreichtum und Zuverlässigkeit ein potenzieller Kunde bauen kann.

Die vier haben während des Studiums gemeinsam schon mehrere Ausstellungen realisiert, jedoch so ein Großprojekt wie "20:15" bislang noch nie. "Es war das i-Tüpfelchen", meint Jan Kaiser. Aber auch eine Herausforderung, die körperlichen Einsatz bis an die Grenzen bedeutete. Auch für die vielen studentischen Helfer, die zupackten, wenn es galt Material auf- und abzuladen, Bodenplatten auszulegen oder das Ausstellungsgerüst aufzubauen.

"Mit drei Lkw sind wir nach Köln gefahren, um uns von der gerade beendeten Möbelmesse nicht mehr benötigtes schwarzes MDF für den Fußboden zu holen", erzählt Benjamin Pächthold. Ein Unternehmen, das nur deshalb rentabel war, weil alle unentgeltlich Hand anlegten. MDF ist die Abkürzung für Mitteldichte Faserplatte, ein Material mit leicht samtiger Oberfläche, das gern in der Möbelindustrie verwendet wird. Auch die Bar in der Lounge - eine Idee der Innenarchitekten - besteht daraus. "Tagelang standen wir dann in der Schreinerei, um tonnenweise MDF auf das Maß unserer Bodenplatten zu sägen."

Über die 450 Quadratmeter Ausstellungsfläche wurden zunächst 350 Euro-Paletten aus Holz verteilt und darüber die Faserplatten angebracht. Die entstandenen Freiräume zwischen den Paletten dienen als Kabelschächte. "Die gesamte Elektrik befindet sich im Boden", erklärt Karsten Dors. Insgesamt 600 Meter flexible Leitungen und 250 Meter feste Kabelinstallationen für Licht, Fernsehgeräte, Computer und DVD-Player.

Die Kommunikationsdesigner - für alles Grafische zuständig und mit etwa 40 Studenten die stärkste Fraktion im gemischten Ausstellungsteam - ließen den Innenarchitekten bei der Ausstattung freie Hand. Nur ihre gestalteten Stoffbanner für die Wände galten als verbindliche Vorgabe. Durch Bild, Text und Farbcode bringen sie eine gewisse Ordnung in die dargestellten 70 Jahre Fernsehgeschichte, ohne dem Besucher die Reihenfolge seines Rundgangs vorzuschreiben. "Ein in alle Richtungen offener Ausstellungsraum stand für uns von Anfang an fest." In der "wenig schönen" Veranstaltungshalle der Wiesbadener Fachhochschule platzierten die angehenden Innenarchitekten mittels erhöhtem, von unten beleuchtetem Boden und "luftigem" Baugerüst einen wie schwebenden zweiten, charaktervollen Raum mit Durchblicken.

"Schlicht, zurückhaltend und funktional", beschreibt Karsten Dors das Gestaltungskonzept. Schwarz und Silber bestimmen aufgrund der kräftig farbigen Banner die Innenausstattung. Das Viererteam entwarf und baute die Pulte für die Klappcharts sowie für die Fernseh- und Computerbildschirme, "versteckte" die unansehnlichen Eingangstore hinter einer Garderobe, deren Vorderfront die Projektionsfläche für Fernsehausschnitte in Endlosschleife bildet, und gestaltete eine Eingangssituation mit Blick in Wohnzimmer der 50er und 70er Jahre. Sie entwickelten ein Lichtkonzept und "schönten" die Standardvitrinen aus FH-Besitz mit dunklen Rahmen derart überzeugend, dass schon jemand erklärte, die würden jetzt aber so bleiben. Zur einfachen und schnellen Befestigung ihrer 99 Stoffbanner am Gerüst lieferte das Team den Kommunikationsdesignern komplette Bausätze und insgesamt 600 Meter Stahlseil.

Organisatorisch stellte "20:15" eine anspruchsvolle Aufgabe dar. "Eigentlich waren wir nicht vier, sondern fünf Leute", sagt Jan Kaiser lächelnd. "Den Fünften haben wir unter uns aufgeteilt." Ihr Bauzeitenplan jedenfalls wurde termingerecht erfüllt. Am 7. Januar war Deadline für alle. Danach begann die heiße Phase des Aufbaus mit Arbeit rund um die Uhr. Dass man beim ersten Rundgang so viel innenarchitektonische Leistung gar nicht bemerkt, gehört zum gestalterischen Auftrag. "Gerade das ist ja unsere Kunst."

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