12.02.2005 | Wiesbadener Kurier | Autor: Gerd Klee

Historie mit Schmunzelfaktor

Unter den Eichen: Ausstellung "20:15 - 70 Jahre Fernsehen in Deutschland"

Er hat sich schon angemeldet: Ober-Wetter - nicht Hoyzer - Gottschalk ist bereit, zum Thema 100 Jahre Fernsehen in Deutschland - gleichbedeutend mit 70 Jahren TV-Gottschalk - "entsprechend kluge Worte zu verlieren". Doch wie er selbst bekennt: "Bis dahin ist aber noch ein bisschen Zeit." Und so hat der Bundes-Thomas vom Zweiten erst einmal ein launiges Vorwort zum Katalog der Ausstellung "20:15 - 70 Jahre Fernsehen in Deutschland" geschrieben, die gestern Abend in den Räumen der Fachhochschule Unter den Eichen eröffnet wurde.

Am Ende der einjährigen Vorbereitungszeit konnten die Veranstalter schließlich alles realisieren, was sie sich zu diesem Mammutprojekt vorgenommen hatten. So läuft neben der Ausstellung ein Trailer zur Schau in Kinos in Wiesbaden und Mainz, der von Studenten, Ehemaligen und Externen gefertigt wurde, und mit einem finanziellen Kraftakt auf der Ziellinie konnte auch ein nicht nur äußerst informativer, sondern auch attraktiv gestalteter Katalog auf den Weg gebracht werden.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Die Ausstellung "20:15 - 70 Jahre Fernsehen in Deutschland" ist ein Teil des Studiums der Studenten der Fachhochschulen Mainz und Wiesbaden; in zwei Semestern haben sie dieses Projekt mit einem Etat von ca. 70000 Euro auf die Beine gestellt, professionelle Ausstellungsmacher wären vielleicht gerade mit der doppelten Summe ausgekommen. Möglich war dies natürlich nur mit einem kaum mehr zu toppenden Einsatz und der Hilfe von Sponsoren, von denen nicht nur Geld, sondern vor allem auch geldwerte Leistungen kamen, wie zum Beispiel die Gerüstkonstruktion, in der sich von heute an die Besucher durch die Geschichte des deutschen Fernsehens in den vergangenen sieben Jahrzehnten bewegen können.

Die Väter dieser Präsentation tragen viele Namen, die der Präsidenten der Fachhochschulen in Mainz und Wiesbaden, die kräftig ins Portemonnaie gelangt haben, die der Projektgruppenleiter Fröbisch und Pulch, den der - pardon, Frau Thies - Wiesbadener Kulturdezernentin, die die Schau an- und weitergeschoben hat, den des Fördervereins Museum für Deutsche Fernsehgeschichte, der mit vielen Exponaten aus dem technischen Bereich vertreten ist, und natürlich die der 70 Studenten, die weit über ihre Aufgabenstellung hinaus diese Schau realisiert haben, die in Sachen Professionalität keinen Maßstab scheuen muss.

Von der ersten TV-Übertragung bis zum Überallfernsehen reicht die Wegstrecke, die der Besucher Unter den Eichen zurücklegen kann; in Jahrzehnte eingeteilt entfaltet sich dabei das ganze Panorama des Mediums. Einerseits wird der rasante technische Wandel deutlich, andererseits zeigen sich die Verschiebungen im Programmangebot vor sich veränderndem gesellschaftlichen Hintergrund; der Einsatz des Fernsehens zu politischer Propaganda lässt sich ebenso nachvollziehen wie die Zäsur, die die Einführung des Privatfernsehens mit sich gebracht hat. Immer wird der Besucher geleitet (vor allem durch die einführenden Erklärungen auf den Bannern, die das Gerüst der Ausstellung bilden), immer hat er aber auch die Möglichkeit das Gesehene nach eigenen Wünschen zu (auch interaktiv) vertiefen - dazu bieten die Sendeausschnitte, die auf Flachbildschirmen laufen für jede Dekade die Gelegenheit, wobei sich der Wandel der Unterhaltungssendungen ebenso wie die der Nachrichtenformate bestens erkennen lässt, der Paradigmawechsel in der Werbung inbegriffen. Und noch einmal: Den Katalog sollte wirklich keiner verpassen, Appetithäppchen daraus sind in den einzelnen Jahrzehnt-Kojen einzusehen.

Was als ehrgeiziges Projekt seinen Anfang genommen hat, ist jetzt als respektable Ausstellung zu besichtigen, die nicht nur hohen Informations- sondern auch enormen Unterhaltungswert mit gigantischem Schmunzelfaktor besitzt.

bis 18. 3., täglich von 9 bis 18 Uhr; Katalog 15 Euro.

www.zwanzigfuenfzehn.de

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