14.02.2005 | Wiesbadener Tagblatt | Autor: Marianne Kreikenbom

Per Mausklick zu Frankenfeld und Hesselbachs

Ausstellung "20.15 - 70 Jahre Fernsehen in Deutschland" von FH-Studenten aus Wiesbaden und Mainz Unter den Eichen

Am 22. März 1935 startete in Berlin ein Unternehmen, von dem seinerzeit wohl kaum jemand ahnte, dass es sich zu einer der bedeutendsten technischen Erfindungen des 20. Jahrhunderts entwickeln würde: das Fernsehen. Der Sender Paul Nipkow Berlin, benannt nach dem Pionier der mechanischen Bildzerlege-Technik, nahm damals weltweit den ersten regelmäßigen Programmbetrieb auf.

Als bislang einzige Stadt der Bundesrepublik widmet Wiesbaden auf dem Mediencampus seiner Fachhochschule Unter den Eichen dem Ereignis nun die Ausstellung "20.15 - 70 Jahre Fernsehen in Deutschland". Das Konzept stammt von Studenten und Professoren der Fachhochschulen Wiesbaden und Mainz. Sie realisierten ihr Projekt im Auftrag des Wiesbadener Kulturamts, unterstützt vom Förderverein des Museums für deutsche Fernsehgeschichte.

Kulturdezernentin Rita Thies zeigte sich denn auch beeindruckt vom Ergebnis. Ob man sich an der Fachhochschule die Begleitung einer Ausstellung zur Fernsehgeschichte vorstellen könne, habe sie vor einem Jahr angefragt und damit durchaus Ehrgeiz geweckt, erklärten die federführenden Professoren Dieter Fröbisch (Wiesbaden) und Harald Pulch (Mainz). Mit insgesamt 80 Studenten aus den Fachbereichen Kommunikations- und Mediendesign, Innenarchitektur, Medienwirtschaft, Medieninformatik und Fernsehtechnik machten sie sich ans große interdisziplinäre Werk. "Alles so echt wie in der Praxis", betonte Harald Pulch.

Stadt, Land, Medienzentrum Wiesbaden und beide Fachhochschulen förderten das Unternehmen mit insgesamt rund 60 000 Euro. Nur etwa ein Fünftel der Gesamtkosten seien das. Sach- und Geldspenden, Sponsoring, die Unterstützung durch Fernsehanstalten und Institutionen sowie der hohe Arbeitsanteil der Studenten ermöglichten eine Ausstellung, die sich sehen lassen kann. Für die 300 Quadratmeter Ausstellungsfläche entwarfen die Innenarchitekten ein "offenes Inselsystem". An Metallgerüsten befestigten sie Banner mit optischen Orientierungshilfen. Sie begleiten durch 70 Fernsehjahre, die in Dekaden untergliedert sind und trotz der Fülle an Informationen für den Besucher höchst übersichtlich bleiben.

Die Chronologie bietet Einblicke in die fernsehrelevante Dreieinigkeit von Programm, Zuschauer und Technik. Thematisch reicht sie von der Entstehung und Nutzung in den 30er und 40er Jahren mit den Olympischen Spielen 1936 und politischer Propaganda im Zweiten Weltkrieg über den Neubeginn mit Tagesschau 1952. Weiter geht es mit der Krönung Elisabeths II. 1953 oder dem Fußball-WM-Sieg 1954 und der Etablierung als Massenmedium in den 60er und 70ern mit Krimi, Unterhaltungsshow oder Mondlandung bis zu Privatsendern und Spartenfernsehen unserer Tage.

Per Mausklick unternimmt der Besucher eine Zeitreise in Fernsehbildern. Er begegnet Hans Rosenthal, Peter Frankenfeld, Hans-Joachim Kulenkampff und Thomas Gottschalk, der sogar ein Grußwort für den Katalog geschrieben hat, dem Ost-Sandmännchen und Schnitzlers Schwarzem Kanal, Beat-Club, Familie Hesselbach und Raumpatrouille, dem HB-Männchen Bruno und dem ersten deutschen TV-Werbespot, der 1956 für Persil warb. Vom Förderverein des in Wiesbaden geplanten Fernsehmuseums stammen die Exponate: Fernsehgeräte und Fernsehkameras sowie ein Übertragungswagen anno 1960. Ein echter Appetithappen, meinte Rita Thies.

Bis 18. März, Veranstaltungshalle der FH Wiesbaden, Unter den Eichen 5, geöffnet täglich von 9 bis 18 Uhr, Eintritt frei

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