18.02.2005 | Rüsselsheimer Echo | Autor: Raphael Schmitt

Von der Nipkowscheibe zum Digital-TV

Medien - Ausstellung in der Fachhochschule Wiesbaden dokumentiert 70 Jahre Fernsehgeschichte

Peter Frankenfeld, Hans Joachim Kulenkampff, Thomas Gottschalk oder Günther Jauch. Ein Medium hat sie in Deutschland gleichermaßen bekannt gemacht: das Fernsehen. Peter Frankenfeld bekannt aus den Sendungen „Eine nette Bescherung“ sowie der Show „Vergissmeinnicht“, Hans Joachim Kulenkampff als charmanter und schlagfertiger Showmaster von „Wer gegen wen?“ und „Einer wird gewinnen“, Thomas Gottschalk als Gastgeber bei „Wetten, dass..?“ oder Günther Jauch als Quizmaster bei „Wer wird Millionär?“. Alle haben sie großen Anteil an der deutschen Fernsehgeschichte, die vor siebzig Jahren begann.

Am 22. März 1935 startete der erste deutsche Fernsehsender sein Programm. Der erste regelmäßige Programmbetrieb der Welt kam aus dem Berliner Haus des Rundfunks und trug den Namen „Paul Nipkow“. Benannt nach dem Pionier der mechanischen Bildzerlegetechnik. Bereits 1884 hatte Paul Nipkow mit seiner nach ihm benannten „Nipkowscheibe“ den Grundstein für das Fernsehen geschaffen.

Während das neue Medium zunächst mit einem nur sehr eingeschränkten Programm auf Sendung ging, ist siebzig Jahre danach das Fernsehen aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Ausstellung „20:15 - 70 Jahre Fernsehen in Deutschland“, die seit dem 12. Februar in Wiesbaden zu sehen ist, widmet sich nun diesem bedeutenden Stück Zeitgeschichte.

Der Besucher wird dabei unter anderem an das erste große Sportereignis im Fernsehen, die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, das Wunder von Bern 1954, die Mondlandung 1969 und vor allem an den stetigen Wandel des Mediums erinnert. Auf der 300 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche auf dem Mediengelände Unter den Eichen wandert man zwischen historischen Fernsehkameras, Fernsehapparaten und modernen LCD-Displays. Auf letzteren untermalen Fernsehausschnitte aus den einzelnen Jahrzehnten die Ausstellung, welche als „offenes Inselsystem“ angelegt ist. An einer speziellen Gerüstkonstruktion aufgehängt, bilden großformatige Banner das Gesicht der Ausstellung. Die sieben Dekaden sind ein Farbschema unterteilt und bieten so eine gute Orientierungshilfe. Der Besucher kann an interaktiven Terminals aber auch selbst auf die Reise durch verschiedene Themenwelten gehen.

So kann unter anderem ein Blick hinter die Kulissen der Werbung geworfen werden. Wie lange geht ein durchschnittlicher Fernsehspot? Was kosten Sendezeiten? Diese Fragen werden ebenso beantwortet, wie die Frage nach dem ersten TV-Werbefilm, der 1956 für Persil warb.

Apropos Werbung: die Haupteinnahmequelle des Privatfernsehens, das in den 80er Jahren startete und die Fernsehlandschaft grundlegend veränderte. Als erster Privatsender ging am 1. Januar 1984 Sat.1 auf Sendung. Allerdings noch unter dem Namen PKS (Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenfunk). Ein Jahr später folgt dann der neue Sendername. Markenzeichen: der bunte Ball, der noch heute, wenn auch über die Jahre immer wieder verändert, als Logo des in Berlin ansässigen Senders dient. Aber auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen wandelte sein Gesicht im Laufe der Jahre.

Während in den 70er Jahren die Fernsehunterhaltung Einzug in die Wohnzimmer hielt und Spiel- und Quizshows boomten, die 80er Jahre geprägt durch die Anfänge der privaten Sender waren, ist in den 90er Jahren bis heute eine Entwicklung zum Spartenfernsehen zu verfolgen. Dem Zuschauer wird ein Programm nach Interessengebieten geboten. Beispiele sind der Sportkanal Eurosport, der Kultursender arte oder der Nachrichtensender n-tv. Es wird versucht Ordnung in der Informationsfülle unseres Alltags zu schaffen.

Im technischen Bereich bringen Neuerungen wie das digitale Fernsehen erhebliche Qualitätsverbesserungen. Aber nicht nur das Programmangebot hat sich verändert. Auch das Sehverhalten. Früher gab es öffentliche Fernsehstuben, heute ist nahezu in jedem Haushalt mindestens ein Fernsehgerät vorhanden. Drei Stunden verbringt der Bundesbürger im Durchschnitt täglich vor der Mattscheibe. Die Ausstellung „20:15 - 70 Jahre Fernsehgeschichte in Deutschland“ lädt ein das lieb gewonnene Medium erneut zu entdecken. Von der Tagesschau bis zur Comedy-Show. Vom Schwarzweißfernsehen zur Digitaltechnik. Vom Kultformat wie der „Sendung mit der Maus“ bis zum Übertragungswagen anno 1960, der vor der Ausstellungshalle die Besucher empfängt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 18. März in der Veranstaltungshalle der Fachhochschule Wiesbaden auf dem Mediencampus Unter den Eichen in Wiesbaden zu sehen. Sie ist täglich von 09.00 - 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Zur Ausstellung ist ein 200 Seiten starker Katalog erschienen, der gegen eine Gebühr von 15 Euro erworben werden kann. Weitere Informationen gibt es im Internet unter: www.zwanzigfuenfzehn.de

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