02.03.2005 | Wiesbadener Tagblatt | Autor: Marianne Kreikenbom

Das harte Brot der Recherche

Erfolgsgeschichte Fernsehen - eine Ausstellung und ihre Macher

Am 22. März feiert das Fernsehen in Deutschland seinen 70. Geburtstag. Dem Ereignis ist die gegenwärtige Ausstellung "20:15" gewidmet. Studenten und Dozenten der Fachhochschulen Wiesbaden und Mainz haben sie ermöglicht. Ihr Unternehmen dokumentiert nicht nur die Erfolgsgeschichte Fernsehen, sondern auch die eigene.


Eine Woche nach Ausstellungsbeginn sieht es im Projektraum von "20:15" noch nach Arbeit im Endspurt aus. An der schmalen Wandseite hängt der riesige Terminplaner, beklebt mit gelben, roten, grünen und blauen Notizstreifen. Durchgestrichen bedeutet erledigt. Obenauf das Programm der Eröffnungsfeier, die am 11. Februar auf dem Mediencampus Unter den Eichen stattfand.

Der Projektraum sei ein lebhafter Treff für alle gewesen, sagt Anaid Reuther. In Ruhe recherchieren, sprich: Telefonieren hätte man hier nicht können. Das meiste habe sie deshalb von zu Hause erledigt. Anaid Reuther studiert Medien-Design an der Fachhochschule Mainz und kam im Oktober 2004 zu "20:15" nach Wiesbaden. Gemeinsam mit Karolin Kutter und Marion Fiedler vom Studiengang Kommunikationsdesign übernahm sie die Recherchenarbeit. "Wenn wir nicht gewesen wären, gäbe es keine Bilder, keine Banner, keine Rechte."

Aufgeteilt in Dekaden, dokumentiert die Ausstellung "20:15" siebzig Jahre deutsche Fernseh- und Zeitgeschichte in Bewegt- und Standbildern, was heißt: in Sendeausschnitten und Fotos. Und die galt es zu beschaffen. "Als wir anfingen, existierten so gut wie keine verbindlichen Wunschlisten der Gestalterteams", erzählt Karolin Kutter. Da Recherchenarbeit einen gewissen Vorlauf erfordert und die Zeit knapp war, arbeiteten sich die drei in alle Themen ein und stellten selbst Listen zusammen. "Unsere Hilfe wurde von den Teams dankbar angenommen." Während man die bewegten Bilder für die installierten Fernsehbildschirme und die Multimedia-Terminals brauchte, dienten die Fotos zur Illustration von Klappcharts mit vertiefenden Texten, zur Gestaltung von Katalog und Ausstellungsplakat, vor allem aber zur Bebilderung der Banner. Als bedruckte Stoffbahnen am Ausstellungsgerüst eingehängt, markieren sie prägnant die Zeitabschnitte und schaffen zugleich durchlässige Räume.

Über 400 Bilder haben die drei Studentinnen binnen kurzem gesucht, gefunden, bestellt und erhalten. Allein 100 davon bekamen sie von der Deutschen Presse Agentur zum kulanten Pauschalpreis. Das ZDF wäre unerschwinglich gewesen. DPA spendierte sogar eine Führung durchs Frankfurter Archiv, von der Karolin Kutter genauso begeistert berichtet wie vom Ausflug nach Potsdam-Babelsberg ins Deutsche Rundfunkarchiv (DRA), das kostenlos alle DDR-Fernsehbilder zur Verfügung stellte.

Auch das Wiesbadener Pendant half tatkräftig. Der lange Marsch durch die Sende-Institutionen dagegen wirkte eher ernüchternd. "Ich habe es mir einfacher vorgestellt", gesteht Anaid Reuther. Bei der ARD beispielsweise verwalten die Landessendeanstalten das Archivmaterial. Besitzt ein Sender die Bilder - egal welcher Art - bedeutet das noch lange nicht, dass er auch über die Rechte verfügt und umgekehrt. Oft befinden sich die Rechte bei Produktionsfirmen, die im Auftrag der Sender arbeiten. Waren die Rechte geklärt und die Bilder vorhanden, blieb noch das Problem der Bezahlung. "Unsere einzige Kreativität bestand darin, ohne Geld zu kriegen, was wir haben wollten", resümiert Anaid Reuther.

Ein Glücksfall, dass sie selbst beim SWR im Fernsehmarketing arbeitet. Dank entsprechender Vermittlung ließ sich ARD-Programmdirektor Günther Struve dazu bewegen, alle Landessendeanstalten um Unterstützung des Ausstellungsprojekts zu bitten. "Wir hatten Riesenlisten für die Hauptstadtstudios zusammengestellt." Kurz nach Struves Rundschreiben kamen vom Bayrischen Rundfunk kostenlos vier Kassetten mit allen gewünschten Standbildern. Es folgte Bildmaterial von SWR, NDR und WDR (der als Mitveranstalter der Ausstellung fungiert). Die letzten Kassetten trafen kurz vor Ausstellungseröffnung ein, erinnert sich Marion Fiedler. "Das Recherchenteam hatte eine Schlüsselfunktion und machte seine Sache hervorragend", lobt Professor Dieter Fröbisch von der FH Wiesbaden. Klar, dass der erste Eintrag im Besucherbuch auch ihnen gilt: "Also: super Ausstellung."

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